Fahrbericht

MAN-Fahrmischer TGS 32.400 8 x 4 BB

man_kipperKonventionell mit Überlastreserven. Der MAN-Vierachser mit Liebherr-Trommel kann auch anders – statt als Nutzlastkönig betont er seine robuste Natur als Brot- und Butter-Transportmischer. Mit 400 PS ist er für alle Einsätze gerüstet, der Fahrer schätzt den Bedienkomfort des Mischers.

Transportmischer zählen bei MAN nicht zu den Spezialfahrzeugen. In guten Jahren sind es bis zu 4.000 Transportmischer, für die MAN das passende Fahrgestell zuliefert. Die Münchner genießen in diesem Gewerbe den guten Ruf, praxisgerechte und hochwertige Produkte zu bauen. „Etwa 9.000 bis 9.100 Kilo darf das Chassis wiegen, damit man echte 8 m3 Beton transportieren kann“, rechnet der Bauexperte von MAN vor, „dazu empfehlen wir die passende Leichtbautrommel von Stetter oder Liebherr.“ Die Typbezeichnung 32.400 an der Fahrertür lässt uns einen schlanken Betontransporter vermuten. Aber von wegen: Schon der Blick auf das Datenblatt unseres Testkandidaten ist ernüchternd. Knapp 9.500 kg soll das Fahrgestell wiegen, ohne Fahrer und mit nur 40 l Kraftstoff. Das Fahrgestell mit Außenplanetenachsen an der Hinterhand ist eher hart im Nehmen, so viel steht fest: Die Summe der zulässigen Achslasten liegt bei 36 t – die Überlastreserven sind beträchtlich. Mit den üblichen Zutaten wie Alurädern und anderen Leichtmetallanbauteilen ließen sich sicher 200 kg sparen. Auch der Liebherr-Aufbau ist von gewöhnlicher Art – langlebig robust, aber eben nicht gewichtsoptimiert.

Nur bei MAN: ESP optional
Schon der erste Eindruck offenbart: Der rote Vierachsmischer ist ein reguläres Nutztier für den Vorführeinsatz und kein hoch konfektionierter Showtruck. Das beginnt bei profanen Stahlrädern, setzt sich mit einem 16-Gang-Handschaltgetriebe und fehlendem ESP fort. „Die Kunden sind nicht so scharf drauf“, versucht der MAN-Bauexperte achselzuckend zu erklären – vielleicht sollte man die Kunden über die Vorzüge des Sicherheitssystems aufklären. Dabei bieten die Münchner als einziger LKW-Hersteller Drei- und Vierachsmischer mit ESP – nur die Vermarktung lässt zu wünschen übrig. Die kopflastige Schwerpunktlage der Fahrzeuggattung Transportmischer würde den Kauf von ESP jedenfalls rechtfertigen – wenn nur ein einziger Unfall damit verhindert würde, hätte man das System mehr als bezahlt. Unbeladen und ohne Wasser bringt der signalrote Transportmischer 14.040 kg auf die Waage, gegenüber ausgesprochen leichten Kollegen fährt er mehr als 600 kg Totgewicht spazieren. An einem zu großen Kraftstofftank liegt es nicht, der MAN führt maßgenaue 300 l mit sich. Jetzt allerdings braucht auch der schwere Münchner Adblue, um die Euro-5-Abgasgrenzwerte zu packen – es werden etwa 150 bis 200 kg sein, die das an Nutzlast kostet.

Zuerst ist der Vierachser vor allem ein MAN. Über vier Stufen geht es hoch hi-nauf ins Fahrerhaus, etwas weiter als im Actros oder Iveco. Dafür bleibt der Motortunnel auf übersteigbarem Niveau – ohne die unglücklich platzierte Staubox in der Kabinenmitte bliebe reichlich Bewegungs- und Lebensraum. Hinter den Sitzen lassen sich gefahrlos Stiefel und Werkzeug schichten, schon die übliche Nahverkehrskabine im M-Format reicht gut für den Mischeralltag. Die Einrichtung ist schlicht, aber hochwertig, das Armaturenbrett hat Stil. Der Fahrer nimmt auf seinem bequemen Sitz Platz und stellt sich das Lenkrad wunschgerecht ein.

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